BERLIN, 7. Februar (Xinhua) -- Angesichts zunehmender globaler Unsicherheiten im Jahr 2025 reduzierten deutsche Unternehmen ihre Investitionen in den Vereinigten Staaten und wandten sich China zu, wobei sie eine größere politische Vorhersehbarkeit und Wachstumspotenzial nannten.
Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft ist die deutsche Direktinvestition in den Vereinigten Staaten zwischen Februar und November 2025 im Jahresvergleich um rund 45 Prozent gesunken, verglichen mit einem Anstieg der Investitionen in China um über 50 Prozent.
Die Veränderung zeigt sich nicht nur in den Daten, sondern auch in der Unternehmensstimmung. In jüngsten Interviews in Berlin, München und anderen Wirtschaftszentren beschrieben deutsche Führungskräfte den US-Markt in vorsichtigeren Worten. "Unsicherheit" ist zu einem dominanten Thema geworden, da Unternehmen Schwierigkeiten haben, die mittelfristigen politischen Aussichten einzuschätzen.
Erhöhte Unsicherheit hat eine direkte dämpfende Wirkung auf Investitionen und Handel, sagte Samina Sultan, eine Ökonomin am Institut, und bemerkte, dass die aktuelle US-Wirtschaftspolitik das Geschäftsvertrauen schwächt und die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen belastet, wodurch die Attraktivität des Landes als Ziel für langfristige Investitionen allmählich schwindet.
Die finanziellen Konsequenzen werden bereits deutlich. Bei einer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Jahr 2026 sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Gruppe, Oliver Blume, dass die tarifbedingten Kosten die Gewinne der Gruppe in den ersten drei Quartalen von 2025 um etwa 2,1 Milliarden Euro (2,48 Milliarden US-Dollar) reduziert hätten.
Ohne eine signifikante Reduzierung der US-Zölle wäre es schwierig, weitere Investitionen aufrechtzuerhalten, und die Pläne für ein neues Audi-Werk könnten sich verzögern, sagte Blume.
"Unternehmen fürchten politische Volatilität mehr als alles andere," sagte Hermann Simon, ein renommierter deutscher Ökonom, der weithin als der Vater der Theorie der "Hidden Champions" angesehen wird. Häufige Änderungen in der Zollpolitik, so sagte er, erschweren es den Märkten, stabile Erwartungen zu bilden, was das Vertrauen in langfristige Investitionen untergräbt.
Infolgedessen priorisieren viele Unternehmen die Risikobegrenzung über Expansion und verfolgen defensivere Strategien, die sich auf Konsolidierung statt auf Wachstum konzentrieren, fügte er hinzu.
Gleichzeitig verstärkt sich Chinas Appell an deutsche Unternehmen weiterhin. Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaft zeigen, dass die neuen deutschen Direktinvestitionen in China im Jahr 2025 etwa 7 Milliarden Euro (8,26 Milliarden Dollar) betrugen, deutlich über den rund 4,5 Milliarden Euro (5,3 Milliarden Dollar) im Jahr zuvor.
Juergen Matthes, ein Experte des Instituts, stellte fest, dass deutsche Unternehmen nicht nur ihre Präsenz in China ausbauen, sondern auch das Tempo der Investitionen beschleunigen.
Michael Schumann, Vorsitzender des Vorstands des Deutschen Bundesverbands für Wirtschaftsförderung und Außenhandel, führte den Trend auf Chinas umfassendes industrielles Ökosystem und das stabile politische Umfeld zurück, das es Unternehmen ermöglicht, weiter vorauszuplanen und mit größerer Sicherheit zu operieren.
Langfristige Daten stützen diese Ansicht. Unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Bundesbank teilte das Institut mit, dass die jährlichen deutschen Neuinvestitionen in China zwischen 2010 und 2024 im Durchschnitt rund 6 Milliarden Euro (7,08 Milliarden Dollar) betrugen, wobei ein erheblicher Teil aus der Reinvestition lokal erwirtschafteter Gewinne stammte.
Wichtiger ist, dass deutsche Unternehmen über den anfänglichen Markteintritt hinausgehen und eine tiefere Integration in China anstreben, indem sie Schlüsselaktivitäten wie Beschaffung und Forschung und Entwicklung zunehmend lokalisieren.
Das im vergangenen November eröffnete Forschungs- und Entwicklungs- sowie Testzentrum von Volkswagen in Hefei, Provinz Anhui, veranschaulicht diesen Wandel. Die Anlage ermöglicht die vollständige Entwicklung von Fahrzeugplattformen außerhalb Deutschlands, vom Konzept bis zur Markteinführung, verkürzt die Entwicklungszyklen um etwa 30 Prozent und ermöglicht es dem Unternehmen, schneller auf die Marktnachfrage zu reagieren.
In ihrer Umfrage zum Geschäftsklima 2025/2026 gab die Deutsche Handelskammer in China (AHK China) an, dass 93 Prozent der Befragten beabsichtigen, auf dem chinesischen Markt aktiv zu bleiben, was einen größeren Optimismus als im Vorjahr widerspiegelt. Etwa 65 Prozent äußerten sich zuversichtlich hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas in den nächsten fünf Jahren.
Forschung und Entwicklung haben sich in den letzten zwei Jahren zu einem neuen Schwerpunkt deutscher Investitionen entwickelt, sagte Maximilian Butek, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China für Ostchina. Diese Strategie spiegele nicht nur Kostenüberlegungen wider, sondern auch eine frühzeitige Positionierung für zukünftige Wettbewerbe. ■